Otto Now – Ein „MVP – Minimum Viable Product“ geht live – mehr aber auch nicht

War Otto Now wirklich heute gestartet? Jetzt wollte ich mir gerne das HP-Notenbook mieten. Eigentlich ein faires Angebot: ab knapp 30 € p.m. für ein attraktives, leistungsfähiges Notebook der 700€-Klasse. Nur: Das gibt es am ersten Tag schon gar nicht mehr zu mieten „aktuell nicht verfügbar“. Soll ich es dann doch besser direkt bei Otto kaufen? Nach gut zwei Jahren Mietzeit wäre es billiger.

Aber darum geht’s ja gar nicht bei Otto Now. Mieten statt kaufen, heißt da die Devise. Nur wenn es das Angebot nicht zu mieten gibt, dann ist’s eher ein Fehlstart statt ein furioser Start.

Probieren wir’s mir mal mit der Soundstation. Mir erklärt es zwar nicht, warum ich diese unter „Laptop“-Suche finde. Aber so kann man auch Cross-Selling machen. Preis o.k. – ausprobieren wollte ich es auch schon mal immer, ob das für mich zuhause was wäre. Aber dann habe ich die Kosten gleich drei Monate an der Backe. Bei Nichtgefallen ist’s dann viel Geld. Und wenn es mir gefällt und ich es dann kaufen will? Leider Fehlanzeige – unter „Mietkauf“ habe ich nix Relevantes gefunden. Es muss auf jeden Fall zurück. Zumindest war das im MVP-Livegang noch nicht fertig („Aktuell ist der Kauf gemieteter Produkte leider noch nicht möglich“).

Also gut, dann statt Fernsehcouch doch besser Fitnesstrainer: Der Cross-Trainer wäre „in Kürze verfügbar“. Muss der Sport noch etwas warten – o.k. Das wäre es jetzt was für mich. Wenn ich dann schon 35 € p.m. zahle, dann quäle ich mich wenigstens auf so ein Ding, weil das Bezahlen jeden Monat ja auch weh tut. So hätte ich dann wenigstens einen Grund für das Mieten gefunden. Und wenn ich keine Lust mehr habe, dann tausche ich’s gegen ein Laufband.

Zusammenfassend:

Erst mal: die Preise sind fair. Gut zwei Jahre Mietdauer entsprechen in etwa dem Kaufpreis (bei otto.de; bei Preissuchmaschinen billiger zu finden). Für jemanden, der das Geld nicht auf der Kante hat, ist das attraktiv und machbar (wenn er’s dann bei Bedarf auch übernehmen kann). Zudem ist die Miet- und damit Rückgabeoption schon etwas Besonderes, denn manchem wird man dann vielleicht doch überdrüssig (s. Crosstrainer).

Die Reparatur- und Garantiefunktion ist so attraktiv nicht wie es scheint, denn zwei Jahre Garantie habe ich auch so und Garantieverlängerung gibt es für kleines Geld. Also: Hier gutes Marketing, wenig dahinter.

Und noch eine Werbeaussage sei in Frage gestellt: „Bleib technisch immer up-to-date“. Meiner Stichprobe nach, waren es nicht die neuesten Produkte, die da angeboten wurden. Technisch o.k., aber „up-to-date“ zum Mieten sollte doch eher das von Morgen als das von Gestern sein.

Fazit: Klasse Idee von Otto. Mal wieder was ausprobieren, auch wenn es das eigene (Verkaufs‑)Geschäft beschädigen kann. Sozusagen Disruption im eigenen Konzern. Das hätte sich dort vor einigen Jahren wohl noch keiner getraut. Da tut sich was in Hamburg. Weiter so.

Und wenn Otto Now mit einem „Weiter so“ nicht versteht, das MVP-Ergebnis zu „state of the art“ zu erklären, sondern schnell weiterzuentwickeln, dann kann es irgendwann auch mich so überzeugen, dass ich zum Mieter werde.

 

Nachtrag 14.12.2016:

Auch neuhandeln.de hat aus einem anderen Blickwinkel darüber berichtet. Auch lohnenswert zu lesen: „Otto Now“ gestartet: Woran das neue Miet-Portal noch krankt.
Danke auch fürs Zitieren.

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